Biogasreaktor

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System der hydraulischen Gasdruckdurchmischung
 
Der Reaktor arbeitet voll hydraulisch, d.h. ohne Einsatz von Rührwerken oder Umwälzpumpen. Durch die Gasproduktion kommt es zu einem Druckanstieg in der Hauptgärkammer und somit zu einem Absenken des Flüssigkeitspegels bei gleichzeitigem Anstieg des Pegels in der Nachgärkammer. Bei Erreichen eines bestimmten Niveauunterschiedes wird durch Öffnen der Gasmischklappe der Druckunterschied schlagartig ausgeglichen. Das zurückschwappende Substrat wird so geführt, daß Schwimmdecken und Sinkschichten zuverlässig zerstört und neu eingemischt werden.

Die Beschickung erfolgt zyklisch und wird in Abhängigkeit von der Gasproduktion bzw. dem daraus resultierenden Druckanstieg im Reaktor gesteuert. Ein Sensor übermittelt die Druckdifferenz zwischen den beiden Funktionsräumen des Reaktors an den Leitrechner. Bei Erreichen des eingestellten Grenzwerten (ca. 400 mbar) wird ein Beschickungsvorgang gestartet. Die tatsächliche Beschickungsmenge wird über einen magnetisch-induktiven Durchflußmesser gemessen. Hierdurch kann sichergestellt werden, daß die Reaktoren mit immer gleichen Substrat-Volumina beschickt werden. Im Normalbetrieb finden dieser Vorgang täglich 4-6 mal statt.
Die wesentlichen Vorteile dieser Bauweise liegen im praktisch wartungsfreien und vollautomatischen Betrieb, dem geringen Energiebedarf und der definierten Substratführung. Durch die Anordnung der Funktionskammern werden Kurzschlußströmungen wirksam unterbunden. Ein Austrag unvergorenen Materials aus dem Reaktor findet daher nicht statt. Der Reaktorabfluß ist dünnflüssig, homogen und annähernd geruchlos.
Sedimente werden in regelmäßigen Abständen über den Grundschlammabzug entfernt und in das Güllelager gepreßt. Dies geschieht selbsttätig durch den hydrostatischen Druck des Gärsubstrates durch kurzzeitiges Öffnen des Grundschlamm-Abzug-Schiebers.
Die Heizung erfolgt mittels Fußbodenheizungsrohren die in die Zylinderwände und -böden eingelassen sind. Zusätzliche, wartungsintensive Wärmetauscher sind daher nicht erforderlich.
 
 
Die anaerobe Umsetzung organischer Verbindungen - Ein vierstufiger Prozess
 
In der Hydrolysephase werden die festen Substanzen (Proteine, Fette, Kohlenhydrate) durch bakterielle Enzyme in einfachere Bestandteile (Monomere wie z.B. Aminosäuren, Glukose, Fettsäuren) zerlegt (hydrolysiert), die jetzt wasserlöslich sind.

In der säurebildende Phase werden die gelösten Stoffe zu organischen Säuren (Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure), niederen Alkoholen, Aldehyden, Wasserstoff H2, Kohlendioxid CO2 und anderen Gasen wie Ammoniak NH3 und Schwefelwasserstoff H2S abgebaut. Dieser Vorgang erfolgt bis die Bakterien durch ihre eigenen Abbauprodukte in ihrem Abbauprozeß gehemmt werden (niedriger pH-Wert).

In der
acetogene Phase werden die Stoffe durch acetogene Bakterien weiter zu Essigsäure umgewandelt.

In der
Methanogenese, bei der Methanbakterien durch Spaltung der Essigsäure oder durch Reduktion von CO2 mit Wasserstoff in streng anaerobem Milieu (pH-Wert 6,7 bis 8,0), wird das Methan (CH4) gebildet.
CO2 + 4 H2 => CH4 + 2 H2O

4 HCOOH => CH
4 + 3 CO2 + 2 H2O

 

Methan ist der Hauptbestandteil im Biogas (60%) und ist maßgeblich für den Heizwert des Biogases von ca. 6-7 kWh/Nm³ verantwortlich.

Methan (CH4)

40 - 75 Vol.-%

Kohlendioxid (CO2)

25 - 60 Vol.-%

Stickstoff (N2)

0 - 7 Vol.-%

Sauerstoff (O2)

0 - 2 Vol.-%

Wasserstoff (H2)

0 - 1 Vol.-%

Schwefelwasserstoff (H2S)

0 - 1 Vol.-%

Biogas-Rohstoffe und ihre Gaserträge
Substrat

Biogas / Substrat

Rindergülle 7,5%-TS

24,5 Nm³/m³ Gülle

Rindergülle 9,0%-TS

29,0 Nm³/m³ Gülle

Schweinegülle 6,0%-TS

22,1 Nm³/m³ Gülle

Hühnermist

 40,0 Nm³/ m³ Mist

Biomüll

 100,0 Nm³/ t

Altfett

  630,0 Nm³/ t

 
Eine Animation verdeutlicht die Arbeitsweise des Biogasreaktors.